
(1927 – 1999)
Der am 8. März 1999 verstorbene Giovan Battista Carpi, geboren am 16. 11. 1927 in Genua, ist einer der wichtigsten italienischen Disney-Künstler und war maßgeblich an der Entwicklung des „typisch italienischen“ Disney-Stils beteiligt. Wie Romano Scarpa gilt er als Meister sowohl von Enten- als auch von Mäuse-Comics. Zusammen mit Guido Martina war er mit der Entwicklung von Phantomias befasst. 1969 zeichnete er dessen ersten Auftritt und definierte seine Optik, beschäftigte sich danach aber nur noch wenig mit der Figur.
Carpi ließ sich zunächst an der Akademie der Schönen Künste in Genua und als Assistent im Studio eines Malers künstlerisch ausbilden, ehe er sich mit Trickfilmen (u. a. als Phasenzeichner im Studio Pagot) und Comics zu beschäftigen begann. Seine ersten Comics entstanden 1945. Ab 1953 zeichnete er für Disney, anfangs wurde seine Arbeit meist von Giulio Chierchini getuscht. Ein Faible für antike Kostüme und Gebräuche machte ihn bald zu einem der wichtigsten Schöpfer von Geschichts-parodistischen Disney-Storys, ein Genre, das Pier Lorenzo de Vita begründet hatte.
Neben diesen vor allem mit Enten-Personal bestückten Parodien schuf Carpi auch zahlreiche Micky-Maus-Klassiker wie „Micky und die Rebellion der Schatten“ oder „Die Reise zum Mond“. In den 70er-Jahren erlebte Carpi eine künstlerische Schwächephase, was aber weniger seiner zeichnerischen Arbeit als der Qualität der ihm zur Umsetzung vorgelegten Skripte zugeschrieben wird. In den 80ern und 90ern feierte er ein Comeback, einer der Höhepunkte dieser Phase seines Schaffens ist sicher seine Umsetzung von Carl Barks’ „Das Ungeheuer vom Schwefelsee“.
Carpi war in den 90er-Jahren lange Leiter der italienischen Disney-Akademie und hatte so auch als Lehrer anderer Zeichner großen Einfluss auf den italienischen Disney-Stil. Zudem zeichnete er auch gelegentlich für andere Comic-Serien wie „Felix“ oder „Fix und Foxi“.
Quellen:
Text: Inducks; Duckipedia; Lambiek Comiclopedia; Bild: LTB 93, S. 113.